Leonard Peltier (67) gehörte zur Führung der indianischen Bürgerrechtsbewegung American Indian Movement (AIM), als er 1977 nach einem bis heute hoch umstrittenen Prozess wegen Mord an zwei FBI-Agenten zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt wurde. Seit 35 Jahren ist er unschuldig in Haft. Eine Belastungszeugin wurde massiv vom FBI unter Druck gesetzt, gegen Peltier auszusagen. Diese Zeugin widerrief ihre Aussage später; trotzdem weigern sich die US-Behörden bis heute, das Verfahren wieder aufzunehmen. Der Rechtsweg ist erschöpft. Die letzte Hoffnung für Leonard Peltier ist daher die Begnadigung durch Präsident Obama.
Leonard Peltier, geboren am 12. September 1944 in Grand Forks, Nord Dakota/ USA, ist Anishinabe und Dakota/Lakota. 1975 war er im Pine Ridge Reservat der Oglala Lakota in Süd Dakota, als dort im Zuge eine Schießerei zwei FBI-Agenten und ein junger Indianer zu Tode kamen. In einem Prozess, dessen Beweisführung zu einem Gutteil auf Falschaussagen und manipulierten Beweisen beruhte, wurde er 1977 zu zweimal lebenslänglich verurteilt.
Trotz eingestandener Verfahrensfehler und obwohl die US-Behörden inzwischen zugeben, dass sie nicht wissen, wer vor mehr als 30 Jahren die tödlichen Schüsse abgegeben hat, sind alle Versuche der Anwälte Peltiers, ein neues Verfahren zu erwirken, bislang gescheitert. Angesichts seiner langen Haftzeit und der allseits konstatierten guten Führung hätte er ohnehin schon lange vorzeitig auf Bewährung entlassen werden müssen. Die zuständige Kommission besteht als Voraussetzung aber auf einem Schuldeingeständnis - für eine Tat, die er nicht begangen hat.
Während seiner Haftzeit wurde der Verfechter indianischer Menschenrechte zu einem anerkannten Maler und Schriftsteller. 1986 erlitt er einen Schlaganfall. Auf dem linken Auge hat er danach 80% der Sehkraft verloren. Er ist an Diabetes erkrankt, leidet unter hohem Blutdruck. Nicht bestätigt hat sich dagegen der Verdacht auf eine Krebserkrankung.
Viele Prominente wie Harry Belafonte, Marlon Brando, Nelson Mandela oder Robert Redford setzten sich ebenso für ihn ein, wie der jüdische „Nazijäger“ Simon Wiesenthal oder Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des Europaparlamentes. Auch. Richter Gerald Heaney, der in zwei Berufungsverfahren den Vorsitz führte, bat den damaligen US-Präsidenten Clinton schriftlich, das Urteil gegen Peltier aufzuheben und Peltier zu begnadigen. Doch Clinton beugte sich dem Druck des FBI und strich den Namen des Bürgerrechtlers kurz vor der Amtsübergabe an George Bush im Januar 2001 wieder von der Liste der Begnadigungen.
Peltier, der bereits als Amerikas Mandela bezeichnet wurde, wird von der Gesellschaft für bedrohte Völker, von Amnesty International und anderen Menschenrechtsorganisationen als politischer Gefangener betrachtet.
Das „Leonard Peltier Defense Offense Committee“, das sich seit Jahren um die Freilassung des Aktivisten bemüht und weltweit Aktionen koordiniert, hat einen „Leonard Peltier Walk for Human Rights“ organisiert, der am 18. Dezember 2011 in Alcatraz Island, Kalifornien, gestartet ist und am 18. Mai 2012 in Washington D.C.mit einer Abschlusskundgebung enden wird (weitere Informationen dazu unter: http://www.whoisleonardpeltier.info/walk.htm).
Wir möchten Sie bitten, sich für die Begnadigung von Leonard Peltier einzusetzen und den untenstehenden Brief an Präsident Obama zu unterzeichnen. Der Brief wird mit den gesammelten Unterschriften am 18. Mai 2012 zum Abschluss des „Leonard Peltier Walk for Human Rights“ an Präsident Obama geschickt.
Appell
Mr. President,
On 18 December 2011 a group of people assembled on Alcatraz Island in California to set off on a walk across the whole country. They have spent months on the road, covering many miles on foot each day, exchanging their home and family life to sleep in tents or the homes of people willing to offer them a night's shelter – all this for Leonard Peltier. They are doing it to make sure that he is not forgotten, obtain justice for him at last after 35 years and enable an innocent man to spend the last years of his life with his family in freedom and honor.
Leonard Peltier was convicted in 1977 after a rigged trial whose fairness was questioned at the time and continues to be doubted by the lawyers involved, and he has now spent more than half his life in prison. He is old and very ill and poses no risk to anyone.
Mr. President, you are aware of the facts in the Leonard Peltier case. You know that legally, ethically and humanely there is only one just solution - a pardon for Leonard Peltier. You are his last hope. I urge you in humanity's name to pardon Leonard Peltier!
Thank you very much for your kind attention.
Yours sincerely
Freie Übersetzung
Mr. President,
am 18. Dezember 2011 versammelte sich auf Alcatraz Island in Kalifornien eine Gruppe von Menschen, um einen Marsch quer durch das ganze Land zu beginnen. Sie sind Monate unterwegs, legen jeden Tag viele Meilen zu Fuß zurück, sie verzichten auf ihr Heim und das Zusammensein mit ihren Familien, schlafen in Zelten oder bei Menschen, die ihnen für eine Nacht eine Unterkunft gewähren – sie tun all das für Leonard Peltier. Sie tun es, damit dieser Mann nicht vergessen wird, um nach 35 Jahren endlich Gerechtigkeit für ihn einzufordern, und damit ein unschuldiger Mensch die letzten Jahre seines Lebens mit seiner Familie und in Freiheit und Würde verbringen kann.
Leonard Peltier wurde 1977 nach einem manipulierten Prozess, an dessen Rechtmäßigkeit heute selbst damals am Verfahren beteiligte Juristen zweifeln, verurteilt und hat bereits mehr als die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht. Er ist alt und sehr krank und stellt für niemanden eine Gefahr dar.
Mr. President, Sie wissen um die Fakten zum Fall Leonard Peltier. Sie wissen, dass es juristisch, ethisch und menschlich nur eine einzige richtige Entscheidung gibt: Begnadigen Sie Leonard Peltier. Sie sind seine letzte Hoffnung. Ich appelliere an Sie im Namen der Menschlichkeit: Begnadigen Sie Leonard Peltier!
Für Ihre Aufmerksamkeit möchte ich Ihnen schon jetzt sehr herzlich danken.
Mit freundlichen Grüßen
