Gesellschaft für bedrohte Völker
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Die Gesellschaft für bedrohte Völker - Koordinationsgruppe Patani / Südthailand
Gesellschaft für bedrohte Völker
Koordinationsgruppe Patani
Geiststraße 7
37010 Göttingen

Hintergrundinformation


Thailands Traumstrände und der Urlauberort Phuket sind nicht weit, doch in Patani denkt niemand an Erholung und Entspannung. Die Menschen in Thailands Süden sind schwer gezeichnet von jahrelanger Gewalt und Willkür. Seit im Januar 2004 der Bürgerkrieg eskalierte, vergeht kein Tag ohne willkürliche Verhaftungen, Folter, politisch motivierten Mord und Anschläge. Mehr als 3.400 Menschen fielen der Gewalt bereits zum Opfer. Besonders betroffen ist die Zivilbevölkerung, die oft in die Fronten des Krieges zwischen der Armee und bewaffneten Unabhängigkeitsbewegungen gerät. Der überwiegend muslimische malaiische Süden sieht sich vom buddhistischen Thailand diskriminiert und will seine Eigenständigkeit wieder erhalten, die er lange gehabt hat.

Das Sterben in Patani wird international kaum wahrgenommen. Die Patani Koordinationsgruppe der GfbV will mit dazu beitragen, die Hintergründe dieses Konflikts bekannter zu machen und setzt sich aktiv für Frieden und Menschenrechte in Patani ein.


Was man über Patani wissen sollte


Patanis Muslime sind die größte muslimische Minderheit im vorwiegend buddhistischen Thailand. Auch ethnisch, sprachlich und kulturell unterscheiden sich die im Süden Thailands lebenden Malaien von der Thai-Mehrheitsbevölkerung. Zum islamischen Staat erklärte sich Patani am 15. Juni 1457. Bis zur Annektierung durch Thailand im Jahr 1902 war Patani ein unabhängiger Staat, das Patani Muslimische Malaiische Sultanat. Jahrzehnte lang widersetzten sich Südthailands Muslime der Assimilations-Politik Bangkoks.

Rund 9 Millionen Muslime leben heute in dem überwiegend buddhistischen Land, viele von ihnen leben in den fünf im Süden des Landes gelegenen Grenzprovinzen zu Malaysia (Yala, Patani, Satun, Songkhla, Narathiwat). Noch immer stellen die 3 Millionen muslimischen Malaien rund 80 Prozent der Bevölkerung im Süden Thailands. Viele Buddhisten verließen aufgrund der Gewalt in den letzten Jahren die Region.

Thailands Muslime empfinden sich als Bürger zweiter Klasse und beklagen die Vernachlässigung ihrer Region. Sowohl in den Schulen, als auch im gesellschaftlichen Leben, in der Verwaltung und Politik wird auf die Minderheit keine Rücksicht genommen. So entstanden in den 60er-Jahren bewaffnete Bewegungen, die für das Selbstbestimmungsrecht Patanis kämpfen. In den 90er-Jahren beruhigte sich die Lage. Im Januar 2004 eskalierte die Gewalt erneut, nachdem eine Militärbasis von Patani-Aktivisten erstürmt wurde. Geschürt wird die Gewalt durch die Straflosigkeit. Regelmäßig bleiben Massaker und willkürliche Verhaftungen ungesühnt. Alleine aufgrund ihrer ethnischen Abstammung werden Malaien pauschal verdächtigt, für Gewalttaten verantwortlich zu sein.

E-Mail: patani-gfbv@gmx.de

Menschenrechtsverletzungen in Patani


Jeden Tag kommt es zu Übergriffen der 66.000 in der Region stationierten Sicherheitskräfte. So werden Malaien alleine aufgrund ihrer ethnischen Abstammung willkürlich verhaftet, gefoltert und zum Teil monatelang in Lagern widerrechtlich festgehalten. Auch werden Angehörige der Minderheit gewaltsam von Todeskommandos entführt und erniedrigt oder ermordet, um die Bevölkerung einzuschüchtern.

Thailändische Menschenrechtler werden systematisch bei der Untersuchung von Übergriffen behindert und eingeschüchtert. Muslime haben nach Informationen des "Muslimischen Anwaltvereins" mehr als 400 Fälle von Menschenrechtsverletzungen bei den Behörden angezeigt, doch kein Angehöriger der Sicherheitskräfte wurde bislang rechtskräftig verurteilt. Aus Angst vor Repressalien wagen die meisten Opfer willkürlicher Übergriffe nicht, Gewalttaten bei den Behörden zu melden. Alleine dem Anwaltverein liegen Informationen über mehr als 1000 Übergriffe auf Zivilisten vor.

Die vorherrschende Straflosigkeit schürt bei Malaien das Gefühl einer Willkürjustiz, die Muslimen Gerechtigkeit und Schutz verweigert. Erst kürzlich sprach das Oberste Gericht Thailands Soldaten von ihrer Verantwortung für das Tak Bai Massaker frei. Am 25. Oktober 2004 waren 78 verhaftete Muslime elendig in Militärlastwagen in Tak Bai erstickt, als man sie zu einer Armeebasis transportierte.

Geschürt wird die Gewalt durch das rücksichtslose Vorgehen von Patani-Aktivisten, die auch vor Enthauptungen von buddhistischen Zivilisten nicht zurückschrecken. Weder Patani-Freiheitsbewegungen, noch die thailändischen Sicherheitskräfte nehmen Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Seit Januar 2004 wurden mehr als 8.800 gewaltsame Zwischenfälle in Patani registriert, bei denen 3420 Menschen starben und 5600 verletzt wurden.

Wir über uns


Wir sind Menschen aus Patani und Europäer, die sich für Südthailand interessieren. Wir stehen in regelmäßigem Kontakt zu Menschen- und Bürgerrechtsorganisationen in Patani und in Thailands Hauptstadt Bangkok und stimmen unsere Arbeit mit ihnen ab. Wir wollen vor allem Öffentlichkeit schaffen für diesen vergessenen Konflikt und die Menschen in Südthailand. So wollen wir mit dazu beitragen, dass Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechte in Patani respektiert werden.

Kontakt


Wer mehr über Patani und die Aktivitäten der Patani Koordinationsgruppe der Gesellschaft für bedrohte Völker erfahren möchte, wende sich telefonisch oder per Email an das Bundesbüro der Gesellschaft für bedrohte Völker.

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