Indien: Misstrauen gegenüber Ermittlungsbehörden. Mord an katholischer Nonne und Menschenrechtlerin muss rückhaltlos aufgeklärt werden!
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Indien: Misstrauen gegenüber Ermittlungsbehörden
Mord an katholischer Nonne und Menschenrechtlerin muss rückhaltlos aufgeklärt werden!
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Göttingen, 29. November 2011

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert die Regierung Indiens dringend auf, den Mord an der Nonne Valsa John in Jharkhand am 15. November 2011 rückhaltlos aufzuklären. Die 53-Jährige hatte sich für die Rechte der Adivasi-Ureinwohner eingesetzt. Bislang gehen die Ermittlungsbehörden und viele indische Medien davon aus, dass die Ordensschwester Opfer eines Überfalls maoistischer Rebellen geworden ist. „Doch es muss auch den Vorwürfen ihrer Familienangehörigen nachgegangen werden, die Befürworter des Kohlebergbaus für die Bluttat verantwortlichen machen“, sagte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. „Bei den Ermittlungen darf es keine Tabus geben.“ Schwester Valsa John ist die vierte Menschenrechtlerin, die sich für die Rechte der Adivasi einsetzte und 2011 ermordet wurde.

Der Mord ereignete sich in dem Ort Pachaura im Distrikt Dumka im rohstoffreichen Bundesstaat Jharkhand. Eine größeren Gruppe von Angreifern, die mit Aexten und Schwertern bewaffnet waren, tötete die Nonne. Sie hatte seit Jahren die Rechte von Adivasi-Ureinwohnern verteidgit, die von Bergbaukonzernen bedrängt werden. Die Nonne hatte eine gewichtige Stimme unter den Adivasi und unterstützte den Aufbau der Menschenrechtsorganisation Rajmahal Pahad Bachao Andolan, mit der sich die Ureinwohner gegen neue Bergbauprojekte wenden.

Valsa John half beim Widerstand der Adivasi gegen neue Vertreibungen. Unter dem Land der Ureinwohner werden mehr als 560 Millionen Tonnen Kohle vermutet, deren Abbau-Rechte sich verschiedene indische Konzerne sicherten. Mehrfach bekam die Ordensschwester Todesdrohungen wegen ihres Engagements für die Adivasi. Viele Religionsgemeinschaften würdigten die Nonne als Märtyrerin, da sie sich immer auefopfernd für die Armen eingesetzt hat.

Auch maoistische Rebellen fürchteten ihren großen Einfluss unter der indigenen Bevölkerung. So wehrte sie sich gegen ein weiteres Vordringen von Maoisten in dieser Region. Die Rebellen werben mit allen Mitteln um die Unterstützung durch die Urbevölkerung. Nicht nur in Jharkhand, sondern in vielen Regionen Zentralindiens leiden Adivasi unter dem wachsenden Druck staatlicher Sicherheitskräfte und maoistischer Rebellen, die rücksichtslos ihren Machtkampf auf dem Land der Ureinwohner austragen.

Feinde machte sich die Ordensschwester aber auch in der lokalen Bevölkerung, da sie jüngst nach der Vergewaltigung einer jungen Adivasi-Frau eine Bestrafung der Gewalttäter gefordert hatte.

Ulrich Delius ist zu erreichen unter Tel.0551 / 499 06 27.

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