Innerhalb weniger Jahrzehnte sind die in der Inneren Mongolei leben Mongolen nicht nur zur Minderheit in ihrer eigenen Region geworden, sondern haben auch weitgehend ihre Identität verloren. Lebten im Jahr 1947 nur 200.000 Han-Chinesen in der Region, so sind es inzwischen bereit 18 Millionen.
Ihrer jahrtausendealten Nomaden-Kultur droht der Untergang, nachdem seit dem Jahr 2000 rund 640.000 Nomaden von den Behörden in Städten angesiedelt wurden. Begründet wurde das Umsiedlungsprogramm mit schweren ökologischen Schäden, die jedes Jahr große wirtschaftliche Verluste im Westen Chinas verursachten. Chinas Regierung macht pauschal die Nomaden für Bodenerosion, vorrückende Wüsten und sinkende Bodenqualität verantwortlich. Rund 2,8 Millionen Quadratkilometer Land, das heißt 77 Prozent des chinesischen Staatsgebietes, würden unter Bodenerosion leiden, stellten Wissenschaftler der Universität Ningxia in einer Studie fest. Dürren und Überweidung hätten die ohnehin gespannte Lage weiter verschärft. "Wenn Sie den Nomaden und Bauern mehr Wohlstand bringen wollen, müssen Sie die Viehherden reduzieren", erklärte im März 2005 der Parteisekretär Liu Zhuo-zhi der Kommunistischen Partei in der Inneren Mongolei. "Wenn Sie das Ökosystem des Weidelandes stärken wollen, müssen Sie die Industrie entwickeln", forderte der Parteikader.
Zwangsumsiedlungen zur Stärkung der Ökologie?
Chinas Behörden betreiben Etikettenschwindel, wenn sie die Zwangsmaßnahmen gegen mongolische Nomaden als wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Umwelt bezeichnen. Denn viele der Maßnahmen, die im Rahmen dieses Programms vorangetrieben wurden, dienen allem - nur nicht dem Schutz der Umwelt. So wurde das Pflanzen von Bäumen, die zuvor in der Region unbekannt waren, zur sinnvollen ökologischen Schutzmaßnahme erklärt. Auch die Ausweitung des Bewässerungsfeldbaues wurde als ökologisch sinnvoll dargestellt, obwohl sie vor allem dazu dient, die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern. Vom Anbau traditionell bekannter Pflanzen wollten die Regierungsstellen nichts wissen, für sie zählen nur höhere landwirtschaftliche Erträge. Die Nomaden werden von dieser Politik nur als Störfaktor wahrgenommen, weil sie einem Ausbau der landwirtschaftlichen Produktion im Wege stehen.
Mongolische Menschenrechtler sind überzeugt davon, dass die intensive Bewirtschaftung der Felder durch chinesische Siedler für die Umweltprobleme ungleich stärker verantwortlich ist als die Überweidung durch Viehherden der Nomaden. Sie argumentieren, dass die verarmten Viehzüchter niemals die Chance gehabt hätten, mit Erlaubnis der Behörden Weideland zu nutzen, da sie nicht den geforderten Nachweis erbringen konnten, dass das Land wissenschaftlich und rationell genutzt wird.
Chinas Behörden setzten bei der Umsiedlung aber nicht nur auf Worte, um die Nomaden davon zu überzeugen, sich in Städten niederzulassen, sondern drängten die Viehzüchter gewaltsam zur Aufgabe ihres traditionellen Lebensstils. So dokumentierten mongolische Menschenrechtler zahlreiche Fälle, in denen Nomaden, die sich der Umsiedlung widersetzten, verhaftet und geschlagen wurden. Doch besonders schlimm ist der Kulturverlust, der mit der Assimilation der Mongolen einhergeht. Er könnte langfristig zum Untergang der Mongolen in der Volksrepublik führen.
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Weiterführende Links:
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Southern Mongolian Human Rights Information Center (SMHRIC)
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