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TIBET – von Gewalt überschattet
Tibeter fordern Menschenrechte
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Tibet ist im Vorfeld der Olympischen Spiele Schauplatz massiver Menschenrechtsverletzungen:


Nach der blutigen Niederschlagung der Unruhen, die anlässlich des 49. Jahrestages des Volksaufstandes gegen die chinesische Herrschaft über Tibet am 10. März ausgebrochen waren, wurden Tausende Tibeter festgenommen. Offizielle Medien sprechen von 2.300 Inhaftierten, Menschenrechtsorganisationen und die Tibetische Exilregierung von über 200 Todesopfern und 5.700 Festgenommenen.

Vertreter der Kommunistischen Partei forderten mehrfach beschleunigte Gerichtsverfahren, um gegen die "Separatisten" und die "Dalai-Clique" vorzugehen. Am 29. April berichtete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua, dass dreißig Tibeter zu Gefängnisstrafen zwischen drei Jahren und lebenslänglich verurteilt wurden. Es ist zu befürchten, dass es in den nächsten Wochen zu weiteren – möglicherweise Hunderten - unfairen Schnellverfahren kommen wird.

Weiterhin erreichen uns Nachrichten von friedlichen Demonstrationen, die mit tödlicher Gewalt beantwortet werden, von neuerlichen Inhaftierungen, von Folter und systematischer Unterdrückung.


22-jähriger Nomade erschossen

So wurde am 28. April eine Nomadensiedlung in der Gemeinde Ponkor Toema/ Bezirk Darlag von Sicherheitskräften umstellt und mit scharfer Munition beschossen. Dabei wurde der 22-jährige Nomade Choetop getötet. Die Bewohner der Gemeinde hatten bereits am 21. März den Unmut der Behörden auf sich gezogen, indem sie die verbotene tibetische Nationalflagge hissten. Als am darauf folgenden Tag fünf Militärfahrzeuge anrollten, um für Ordnung zu sorgen, wurden sie von 350 Reitern gestoppt, die ihnen aus Protest die Straße versperrten. In den folgenden Wochen sollen Hunderte Tibeter verhaftet worden sein.


Unmenschliche Haftbedingungen, Folter

Anlass zu besonderer Sorge geben Nachrichten des Tibetischen Flüchtlingszentrums in Dharamsala (Indien), denen zufolge seit den März-Unruhen keine Flüchtlinge mehr aus Tibet ankämen: Die chinesische Regierung habe die Grenze zu Tibet von Soldaten abriegeln lassen, innerhalb Tibets werde die Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt, sämtliche Klöster seien von bewaffneten Sicherheitskräften und Panzern umstellt. Viele inhaftierte Demonstranten würden in Richtung der chinesischen Grenze verschleppt und in einer ehemaligen Ziegelgrube zusammengepfercht. Sie erhielten weder Wasser noch Nahrung, manche würden aus Durst ihren eigenen Urin trinken… Eine andere Gruppe von Gefangenen ist laut Angaben des Tibetischen Flüchtlingszentrums in einer entlegenen Wüstengegend inhaftiert.

Auch Berichte über Folter mit Todesfolge liegen vor: Der 31 Jahre alte Bauer Dawa aus dem Dorf Dedrong/ Lhasa war am 15. März während einer friedlichen Demonstration festgenommen und zwei Wochen lang in Haft schwer gefoltert worden. Am 27. März wurde er wegen seines schlechten Gesundheitszustandes freigelassen und ins Krankenhaus gebracht, wo er am 1. April starb. Am 17. April erlag die 38-jährige Tibeterin Nechung den Folgen der Folter. Die Mutter von vier minderjährigen Kindern hatte am 16. und 17. März an friedlichen Protesten in Ngaba teilgenommen, wurde am 18. März verhaftet und neun Tage lang in der Haft brutal gefoltert. Als sie am 26. März freigelassen wurde, war ihr Körper von Brandspuren überzogen, sie konnte weder sprechen noch Nahrung zu sich nehmen, atmete schwer und litt unter dauerndem Brechreiz. Trotz ihres kritischen Gesundheitszustandes wurde ihr vom örtlichen Krankenhaus medizinische Versorgung verweigert, offensichtlich nach entsprechender Anordnung durch die Behörden. Auch als Mönche Gebetsriten für die Verstorbene durchführen wollten, wurde das streng untersagt.


Neue "Patriotische Erziehungs-Kampagne"

Im Vorfeld des olympischen Fackellaufes, der Tibet am 19. Juni erreichen wird, soll landesweit jeglicher Protest im Keim erstickt werden. Diesem Zweck dient unter anderem die Anfang April gestartete neue "Patriotische Erziehungs-Kampagne", die sich besonders an Nonnen und Mönche in den Klöstern, aber auch an Angehörige der Sicherheitskräfte, Regierungsbeamte, Bauern, Nomaden sowie Angestellte in Wirtschaftsbetrieben und Bildungseinrichtungen richtet und deren zentrale Botschaft es ist, den Dalai Lama und seine "Clique" als Verbrecher zu diffamieren. Angesichts der Intensität, mit der diese Kampagne in Tibet durchgeführt wird, gibt es wenig Hoffnung, dass die aktuellen Gespräche zwischen Repräsentanten der chinesischen Regierung und der tibetischen Exilregierung zu positiven Ergebnissen führen könnten.

Zahlreiche Mönche weigern sich, die Patriotische Erziehungs-Kampagne zu unterstützen. So empfingen die Mönche des Wara-Klosters in Jomda das staatliche "Kampagnenteam" mit den Worten "Auch wenn es unser Leben kostet, wir werden unseren religiösen Führer, den Dalai Lama, niemals diffamieren und verleugnen." Als zwei Mönche des Tongkor-Klosters in der Provinz Kardze nach ähnlichem Widerspruch in Haft genommen wurden und Mitbrüder daraufhin zu einer friedlichen Demonstration aufriefen, kam es am 3. April zu mindestens acht Toten und Dutzenden Verletzten.

Viele Mönche und Nonnen reagieren auf die Kampagne mit Empörung und friedlichem Widerstand. Besonders schmerzlich ist für sie, mitansehen zu müssen, wie Abbildungen des Dalai Lamas und anderer verehrter buddhistischer Würdenträger bewusst zerstört oder in den Schmutz gezogen werden. In den letzten Wochen kam es aus diesem Grund zu mehreren Selbstmorden von Nonnen und Mönchen. So nahm sich am 16. April der 29 Jahre alte Mönch Thoesam aus dem Kloster Ngaba Kirti in Amdo das Leben. Vor seinem Tod erklärte er einem Verwandten, nicht nur Leute mit sehenden Augen könnten der Unterdrückung durch die Chinesen nicht mehr standhalten, sogar für ihn, der blind sei, sei die Lage unerträglich.


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Weiterführende Links:
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Tibet-Initiative

Tibetseite der IGFM

Tibetan Centre for Human Rights and Democracy

The Canada Tibet Committee

Phayul

International Campaign for Tibet
 
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